Zeitzeuge besuchte Alexanderschule
Heinz Keller (80) berichtete über seine Erlebnisse 1943 - 45
Die Aussage meines ehemaligen Kollegen und Geschichtsseminarleiters Alfred Lindner, Zeitzeugen seien „lebendige Geschichtsquellen, die meistens überzeugend und motivierend wirken“ und sie trügen „dazu bei, dass ihre persönlichen Erlebnisse und Erinnerungen nicht verloren gehen sondern der Nachwelt erhalten bleiben“, war Anlass dafür, den 80-jährigen Hollager Heinz Keller zu bitten, meinen Schülern einmal von seinen Erfahrungen und Erlebnissen in der Kriegszeit zu berichten.
Nachdem er sich vorgestellt und einige Fragen zu seiner Person beantwortet hatte, erzählte Heinz Keller in gewohnt lockerer Art und sehr unterhaltsam von seinen Erlebnissen in der Hitlerzeit. Besonders interessant fanden die Schüler der Klasse 10a natürlich die Schilderungen seiner Kriegserlebnisse in Holland. Er war nämlich nach dem Arbeitsdienst, einer vormilitärischen Ausbildung in Paderborn, zu einer 3-monatigen Grundausbildung nach Zwolle gekommen.
Zwei Erlebnisse wirkten erschütternd auf die Schüler:
Als Heinz Keller vor einem Kino mit einem Freund in der Warteschlange stand, fiel plötzlich ein Schuss, und sein Freund neben ihm fiel um, tödlich in den Kopf getroffen von einem Heckenschützen. Alle Soldaten und Zivilisten warfen sich zu Boden, Militärpolizei suchte die Gegend ab, aber der Todesschütze wurde nicht gefunden. Dies schreckliche Ereignis ließ den damals 17-jährigen Keller über Wochen nicht los….
Mucksmäuschenstill war es im Klassenraum, als Heinz Keller von seiner Verwundung erzählte, die er als 17-jähriger davongetragen hatte. Er war eingesetzt beim Kampf um die Brücke von Arnheim (Anm.: Gleichnamiger Film ist sicher bekannt) und wurde mit seiner Einheit eingekesselt von englischen Fallschirmjägern und amerikanischen Panzern. Es kam der Befehl sich einzugraben. In dem sandigen Heideboden war dies schnell getan, doch der Boden war naturgemäß nicht sehr stabil. Und als dann die Panzer angriffen, wurde Keller von einem überrollt. Dabei gaben die Wände seines Loches nach und die Panzerkette fuhr direkt über seine rechte Schulter und verletzte ihn schwer. Kameraden zogen ihn aus dem Schützenloch raus, als das Kommando „Sprung auf Marsch, Marsch!“ kam. Er konnte vor Schmerzen kaum sein Gewehr halten. Doch damit nicht genug, denn in dem Moment, als er loslief, traf ein Explosivgeschoss seinen Gewehrkolben und zerfetzte seine rechte Hand, in der bis heute noch mehr als 20 Splitter stecken.
Seit dieser Zeit kann Heinz Keller seinen rechten Arm nur sehr eingeschränkt benutzen.
Die 6. Stunde war schnell vorbei, und dann bekam Heinz sein schönstes Kompliment, als die Klasse ihn fragte, ob er in der 7. Stunde noch weiter erzählen könnte. Spontan willigte er ein und so ging es nach einer kurzen Kaffeepause um 14 Uhr weiter. Er berichtete nun von seiner Schulzeit und den „Freizeit“- Aktivitäten. Besonders interessiert hörten die Schüler zu, als er erzählte, dass er (natürlich) in der HJ war und praktisch jeden Nachmittag vormilitärische Übungen durchführen musste, wobei die Mädchen gleichzeitig im BDM vor allem sportliche Übungen zu absolvieren hatten.
„ Von eigener Freizeitgestaltung an den Nachmittagen und auch Wochenenden blieb uns nicht viel, es war mehr oder weniger alles reglementiert. Feten und dann schön ausschlafen, das gab es damals nicht!“, so Heinz Keller.
Zum Schluss der Stunde beantwortete er noch einige Fragen der Schüler und wurde dann mit großem Applaus und guten Wünschen für die Zukunft von der Klasse verabschiedet.
Diesem Dank möchte ich mich anschließen und ich kann aufgrund meiner Erfahrung jedem Geschichtslehrer raten, Zeitzeugen in seinen Unterricht zu holen, denn durch sie wird Geschichte tatsächlich wieder lebendig…..
Peter Papke

Das
Foto zeigt Heinz Keller vor der Klasse 10a.

aufmerksame Zuhörer